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Tödliche Importkohle

Ein gutes Beispiel zum Wirken von Entscheidungen in Deutschland auf die Menschen in anderen Ländern liefert Sebastian Rötters von der Menschenrechtsorganisation FIAN im taz-Interview (23.7.2010):

In Deutschland fördern Politiker den Bau von Kohle-Großkraftwerken (Krefeld, Datteln, Moorburg). Diese Kraftwerke werden mit Importkohle betrieben. Die kommt zum Beispiel aus der Mine Cerrejón in Kolumbien, wo der Abbau nicht mit den hierzulande bekannten großen Schaufelbaggern erfolgt, sondern durch Sprengungen, die große Staubmengen und gefährliche Schwermetalle freisetzen. Außerdem verbraucht die Mine, die in einer der trockensten Regionen des Landes steht gigantische Grundwassermengen. Und schließlich wurde dort erst kürzlich wieder ein Bergbau-Gewerkschafter erschossen, der die Arbeiter der Mine organisieren wollte.

Rötters dazu: „Wir können nicht auf eine Stromversorgung setzen, die auf der Missachtung von Menschenrechten basiert“.

Gefährliche Kohlendioxid-Pläne

Die Kohlekonzerne, allen voran Atom- und Stromriese Vattenfall, haben sich durchgesetzt. Die Lobbyinteressen immer geneigte schwarz-gelbe Bundesregierung hat das Gesetz auf den Weg gebracht, das die CCS-Technologie (CCS: Carbon Capture and Storage = Kohlenstoff-Abscheidung und -Lagerung) ermöglichen soll. CCS ist der Versuch aus den Kohle-Großkraftwerken, die Kohlendioxid-Schleudern sind, propagandistisch „saubere Kohle“ (clean coal) zu machen. Dabei sollen Kohlekraftwerke unter Verschlechterung des Wirkungsgrades das von ihnen ausgestoßene Kohlendioxid abscheiden, um es anschließend unterirdisch zu lagern.

Wie bei hren gefährlichen Plänen zur Verlängerung der Laufzeit der Atomkraftwerke geht es den Stromkonzernen vor allem um den Erhalt ihrer Gewinn- und Renditeträchtigen Großkraftwerke. 6 Milliarden Euro will die EU für die CCS-Technoligie ausgeben, fast 20 Milliarden sind weltweit bereits in die Entwicklung dieser Großtechnik gefolssen – einer Großtechnik, die vor allem die kapitalkräftigen großindustriellen Stromkonzerne gegen die Konkurrenz dezentraler, umweltfreundlicher Energieerzeugung (Wasser, Wind, Sonne, Blockheizkraftwerke, Energieeffizienz) schützen soll.

CCS birgt Gefahren, die ähnlich groß einzuschätzen sind, wie die Folgen atomarer Unfälle: Wird das Kohlendioxid in leere Öllager unter dem Meeresgrund verpresst, kann es im Falle eines Explosionsunfalls (Stichwort Deepwater Horizon) zu einer tödlichen Versauerung des Meerwassers kommen(es verwandelt sich dann in Kohlensäurehaltiges Wasser in dem z.B. alle Korallen sterben); wird Kohlendioxid in Salzstöcke an Land verpresst, dann kann eine explosive Freisetzung einen tödlichen Bodenschleier über weite Gebiete legen (Kohlendioxid ist schwerer als Luft – zuerst ersticken die Kinder und dann die Erwachsenen).

Quelle: taz 15.7.2010