Schlagwort-Archive: IKB

Bankenrettung für Reiche

„…Wie viel genau die WestLB kosten wird, ist nicht abzusehen. 77 Milliarden ihrer Ramschwerte wurden bereits in eine Bad Bank ausgelagert… an den verschiedenen Schrumpfvarianten für die WestLB fällt auf, dass sie eines gemeinsam haben: Sie alle wollen noch mehr Papiermüll zur Bad Bank verschieben…

Haften werden die Steuerzahler. So war es auch bei der Hypo Real Estate, der Commerzbank, der IKB und diversen weiteren Landesbanken…

Warum eigentlich? Schließlich profitieren längst nicht alle… Wer eine Bank rettet, rettet das Vermögen ihrer Kunden. Besitz ist in Deutschland jedoch sehr ungleich verteilt. Das reichste Hundertstel kommt bereits auf 23 Prozent des gesamten Eigentums. Diesen Superreichen vor allem nutzt es, wenn der Staat die Banken stützt. Für diesen Dienst könnnten die Millionäre ruhig zahlen.

Die Grünen zum Beispiel schlegen eine Vermögensabgabe vor… Die OECD kritisiert immer wieder, dass Deutschland Vermögen zu niedrig besteuert…“

Kommentar der „taz“ (17.2.2010)

Manager-Optimismus verurteilt

Stefan Ortseifen, früherer Chef der Pleitebank IKB, hat vor dem Zusammenbruch seines Kredit-Kartenhauses getan, was Manager in Krisen immer tun: per Pressemitteilung Optimismus verbreitet. Das brachte ihm den Vorwurf der Kursmanipulation und eine 100.000 Euro Geldstrafe ein. Ortseifen war so dumm, die Pressemitteilung kurz vor dem absehbaren Konkurs der IKB herauszugeben. Zur Erinnerung: Die „Rettung“ der IKB hat immerhin 10 Milliarden Euro gekostet. Umgekehrt war Ortseifen vollkommen offen hinsichtlich der Dummheit seiner Aktionäre. Das System der Schattenbanken in Irland, die US-Ramschpapiere als sichere Geldanlagen verhökerten war bekannt und die kollektive Dummheit der Anleger auszunutzen ist nicht strafbar,. Deswegen konnte Ortseifen nur wegen seiner dummen Pressemitteilung verurteilt werden.

Quelle: taz 15.7.2010

Synthetische Wetten

Wegen sogenannter „synthetischer“ CDO’s wird die Bank Goldman Sachs in den USA vor Gericht von der amerikanischen Börsenaufsicht verklagt (Klage 10 CV 3229 SEC vs. Goldman Sachs) – d.h. nicht wegen dieser „Finanzprodukte“, sondern wegen zu wenig ausführlicher Informationen darüber im Ausgabeprospekt.

In der „Zeit“ (22.4.2010) wird beschrieben, wie diese Finanzprodukte funktionieren: während bei normalen CDO’s (= Collateral Debt Obligations) zweifelhafte Hypothekenkredite „gebündelt“ wurden, enthalten die „synthetischen“ CDO’s gar nichst mehr – sie sind eine inhaltsleere Wette drauf, dass ein Paket aus Krediten entweder im Wert steigt oder die darin enthaltenen Kredite platzen.

Schön beschrieben wird dieses Vorgehen auch mit dem Verkauf einer Versicherung, die zahlt, wenn das Haus des Nachbarn brennt.

Der Hedgefonds-Manager John Paulson hatte so einen synthetischen CDO bei Goldman Sachs in Auftrag gegeben – mit dem erklärten Ziel, gegen dieses Papier zu wetten – während die Käufer glaubten, damit auf steigende Kurse bei Hypothektenkredit-Bündeln zu wetten. Zu den Geschädigten dieser Wette gehörte auch die deutsche Pleite-Bank IKB.

Die synthetischen CDO’s entstanden, als sich bereits die Zahlungsprobleme am amerikanischen Immobilienmakrt abzeichneten. Die Spekulanten suchten einen Weg, von dieser Hypothekenkrise zu profitieren. Die angeklagten Praktiken von Goldman Sachs sind deshalb nicht einzigartig. Auch Citigroup, UBS, JP Morgan Chase haben laut Credit Suisse solche „Finanzprodukte“ angeboten und gleichzeitig gegen diese gewettet. Auch die Deutsche Bank soll solche Geschäfte getätigt haben.

Verdunklung in Delaware

Das internationale Netzwerk für Steuergerechtigkeit (www.financialsecrecy.org) hat jetzt den Schattenfinanzindex vorgestellt. Indexautor Markus Meinzer erklärte der „taz“ (3.11.2009), dass der Begriff „Steueroase“ zu kurz greife und man von „Verdunkelungsoasen“ sprechen müsse. Kennzeichen dieser „attraktiven“ Finanzplätze sei nämlich, dass die dort angelegten Gelder in ihrer Herkunft verschleiert würden und unklare Eigentumsverhältnisse herrschten. Es gebe dort keine Offenlegungsrichtlinien für Unternehmen, die Finanzmarktregulierung sei lax und die Zusammenarbeit mit den Steuerbehörden anderer Länder mangelhaft.

Die Liste der „Verdunklungsoasen“ ist interessant und widerspricht dem bisherigen Bild der „Steueroasen“. An der Spitze steht nämlich der US-Bundesstaat Delaware, gefolgt von Luxemburg, der Schweiz und dann erst den Cayman-Inseln. Es folgen die City of London und Irland.

Die „taz“ ergänzt, dass die deutschen Krisenbanken IKB und Sachsen LB ihre hochriskanten Finanzgeschäfte an denen sie pleite gingen, in Delaware und Irland betrieben.

Bankenlobby bereitet nächste Verbriefungsblase vor

Ausgerechnet die staatliche KfW-Bankengruppe (KfW stand früher für „Kreditanstalt für Wiederaufbau“), die bei der Pleite der IKB (das hieß einmal „Industriekreditbank“) lernen musste, wie gefährlich Kreditverbriefungen sind, wenn die Blase platzt, will jetzt das Geschäft mit den „Asset Backed Securities“ wieder in Gang bringen.

Zusammen mit Lobbyorganisationen wie dem Bundesverband öffentlicher Banken (VÖB), der die Interessen der Landesbanken vertritt, die sich mit den Kreditverbriefungen gewaltig verzockt hatten, wird Luft geholt, um die nächste Kreditblase aufzupumpen. Um das Geschäft mit den Zockerprodukten, die auf der Jagd nach 25 Prozent Rendite gerne ins Wettschein-Portfolio genommen werden, wieder anzukurbeln, wird zunächst einmal die „Kreditkrise“ ausgerufen. Und auch wenn viele Firmen in der Realwirtschaft unter Kreditklemmen leiden, gibt es keine allgemeine Kreditkrise. Die Finanzlobbyisten wollen diesen Eindruck nur bei Politikern und Volk erwecken.

Wenn dann alle glauben, dass ohne Kreditverbriefungen zu wenig Liquidität vorhanden ist, um den Realwirtschafts-Betrieben mehr Kredit zu geben, dann ist es nur noch ein kleiner Schritt, um die Politik aufzufordern, alles zu tun, das Casino wieder zu eröffnen. Nur zur Erinnerung, weil 2007/2008 die Preisblase am amerikanischen Immobilienmarkt platzte und Hauskäufer ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten, waren die „Asset Backed Securities“ über Nacht nichts mehr wert und Banken gingen wegen der damit verbundenen hohen Abschreibungen pleite.

Das soll nicht mehr passieren, deswegen fordert die Bankenlobby von den Politikern, dass künftig der Staat das in den Kreditverbriefungen steckende Risiko gleich am Anfang übernimmt. Auf deutsch: Wenn sich die Banken wieder verzocken und die Finanzblase erneut platzt, soll der Staat gleich von vornherein für die Verluste geradestehen – Vornehm drückt es VÖB-Chef Christian Brand aus: Staat, Banken und Investoren sollten sich das Risiko teilen.

Fehlen noch zwei Erkenntnisse: Wenn die nächste Verbriefungsblase platzt, darf man den KfW-Vorstandsvorsitzenden Ulrich Schröder als einen der Hauptschuldigen brandmarken. Und weil die Kreditverbriefungsblase nicht aufgepumpt werden kann, solange SPD-Finanzminister Peer Steinbrück diesen Bereich verantwortet, richten sich die Lobby-Arbeiter vor allem darauf ein, dem Volk eine schwarz-gelbe Regierung zu empfehlen.

Quelle: die tageszeitung 1.8.2009

Noch mehr Staatsgeld für IKB

Im Sommer 2007 begann mit der Beinahe-Pleite der Mittelstandsbank IKB in Deutschland die Finanzmarktkrise. Die IKB hatte sich mit US-Schrottimmobilien verzockt. Staat und andere Banken gaben damals 10 Milliarden Euro Kapital und Garantien, um die IKB zu retten.

Dann kaufte der amerikanische Finanzinvestor Lonestar die Bank zu einem Spottpreis (140 Millionen Euro für 90 Prozent der Bankanteile – der Bund hatte mit 800 Millionen für die Bank kalkuliert). Und jetzt will die IKB weitere 7 Milliarden Euro Staatsgarantien haben, nachdem die bisherigen 5 Milliarden bereits seit April aufgebraucht sind.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 19.6.2009

1986: Minsky blickt durch

Die Süddeutsche Zeitung feiert in ihrer heutigen Ausgabe den US-Ökonomen Hyman Minsky der 1986 sein Hauptwerk „Stabilizing an unstable economy“ veröffentlichte. War er damals ein Außenseiter in der Wirtschaftswissenschaftler-Zunft, ist er 13 Jahre nach seinem Tod derjenige, der schon vor 23 Jahren begriffen hatte, warum es zu einer Krise wie der heutigen kommen kann:

Minsky erkannte, dass es im Kapitalismus 2 Preissysteme gibt – die Güterpreise, die sich aus Produktionskosten plus Gewinnaufschlag zusammensetzen und die Vermögenswerte (Aktien und Immobilien), deren Preis von Renditeerwartungen abhängt. Und weil beides nicht richtig zusammenpasst gibt es das Instrument des Kredits, das einen fatalen Mechanismus aus Börseneuphorie und Kapitalmarkt-Panik auslöst: Banken und Kunden erwarten, dass künftige Gewinne auf dem Gütermarkt ausreichen Zins und Tilgung zu bezahlen („hedge finance“, gesicherte Finanzierung). Klappt das, findet der erfolgreiche Unternehmer Nachahmer, die Preise für Kapitalgüter steigen, der Boom bricht aus. Irgendwann merken die Banken, dass sie nur spekulative Projekte mit ihren Krediten finanzieren, bei denen die Rendite zwar noch für die Zinsen, nicht mehr aber für die Tilgung reicht.

Das ist der „Minsky-Moment“. Denn danach werden die spekulativen Finanzgüter im „Ponzi-Bereich“ finanziert – also mit einer Art Schneeballsystem (benannt nach dem Anlagebetrüger Charles Ponzi) bei dem neue Kredite aufgenommen werden, um Zins und Tilgung alter Kredite zu bezahlen. Wenn eine Bank genügend Ponzi-Projekte ansammelt, ist sie pleite!

Bei der heutigen Krise lag der „Minsky-Moment“ im Herbst 2007, als die Deflation der Vermögenswerte begann, in deren Gefolge trotz aller Verbriefungen und Derivate am Ende allerlei Banken und Versicherungen pleite gingen und vom Staat gerettet wurden (oder auch nicht): IKB, SachsenLB, Hypo Real Estate, Northern Rock, Bear Stearns, Lehman Brothers, Citigroup, AIG.

Die von Minsky vorgeschlagenen Reformen fanden kein Gehör: Er wollte für Stabilität sorgen, indem er ein langsameres Wachstum des Lebensstandards vorschlug – die Wirtschaft sollte selbst viel konsumieren, wenig investieren und von einem starken Staat gesteuert werden. Arbeitslose sollten in diesem System übrigens staatliche Arbeitsplätze zum Mindestlohn besetzen müssen.