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Hunger-Index

Die gute Nachricht: in den bevölkerungsreichsten Ländern der Welt ist der Hunger in den Jahren 1990 bis 2011 zurückgegangen. Der von der Welthungerhilfe errechnete Welt-Hunger-Index ist in keinem dieser 11 Staaten mehr bei einem Wert über 30 (gravierend) und erreicht lediglich noch in Bangladesh, Indien und Pakistan Werte über 20 (sehr ernst). In Nigeria, Indonesien und auf den Phillippinen liegt der Wert auf ernst (über 10), in Südafrika und China bei mäßig (über 5) und in Brasilien, Mexico und Russland bei gering (unter 5).

Der Index ist ein Mittelwert aus den prozentualen Bevölkerungsanteilen von Unterernährten, untergewichtigen Kindern unter 5 Jahren und Kindern, die vor erreichen des 5. Lebensjahres gestorben sind. Dieser Index bildet – anders als der Index der Weltgesundheitsorganisation, die nur die durchschnittliche tägliche Nährwertzufuhr erfasst – einen besseren Hungerindikator, da er auch Verteilungskonflikte in der Gesellschaft erfasst.

Quelle: telepolis, 3.5.2012

Hunger-Gewinne

Die Organisation „foodwatch“ hat einen Bericht veröffentlicht. In „Die Hungermacher – Wie Deutsche Bank, Goldman Sachs & Co. auf Kosten der Ärmsten mit Nahrungsmitteln spekulieren“ wird deutlich, welche Größenordnung zwischenzeitlich die Spekulation mit Agrarprodukten erreicht hat: bis Ende März haben Versicherungen und andere Anleger den Investmentbanken und Hedgefonds Nahrungsmittelwetten im Wert von 600 Milliarden US-Dollar abgekauft. Damit ist dieser Markt zu vier Fünfteln (80 Prozent) von Finanzspekulanten beherrscht, die nur das kurzfristige Interesse haben, die Nahrungsmittelpreise in die Höhe zu treiben – mit der Folge noch größeren Hungers in der Welt.

Begleitend zur Veröffentlichung des Berichts gab es auch eine E-Mail-Aktion an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit dem Titel „Hände weg vom Acker, Mann“.

Quelle: telepolis (18.10.2011)

Spekulation mit Ackerland

Die Chinesen sind die bekannt Bösen in diesem Spiel: Vor allem in Afrika kaufen sie Ackerland. Aber auch in Deutschland werden die meisten landwirtschaftlichen Flächen nicht mehr von Landwirten gekauft, sondern von Finanzinvestoren.

Neben der aus Inflationsangst getätigten Flucht in die „Sachwerte“ geht es vor allem um die Steigerung der Bodenpreise, die im Jahr 2009 den Anlegern eine schöne Rendite von 9,6 Prozent bescherte. Und die Spekulanten setzen darauf, dass Nahrungsmittel knapp und teuer werden – „bei Lebensmitteln sind die Menschen erpressbar“ beschreibt die „taz“ (12.11.2010) das Kalkül der Spekulanten.

Allerdings warnt die „taz“-Autorin auch davor, dass jetzt gerade eine neue Spekulationsblase entsteht – die Acker-Blase. Ulrike Herrmann schreibt weiter:

Wie jede Blase würde auch eine Acker-Blase platzen. Aber das ist kein Grund zur Schadenfreude. Denn solange sich die Blase aufpumpt würden weltweit die Lebensmittelpreise steigen – und ausgerechnet am Hunger der Armen wollen die neuen Agrarinvestoren verdienen.

Eine Milliarde hungert

In einer Infografik hat „Die Zeit“ (7.10.2010) das Problem der zunehmenden Weizenspekulation beleuchtet. Wesentliche Folge der Spekulation ist der Hunger in der Welt, der in relativen Prozentanteilen seit den 1970er-Jahren zwar abgenommen hat; in absoluten Zahlen aber 2009 auf fast 1 Milliarde hungernder Menschen gestiegen ist. Die Hälfte der hungernden Menschen lebt in Asien und im Pazifikraum (578 Millionen), ein weiteres knappes Drittel im südlichen Afrika (239 Millionen). Aber selbst in den entwickelten Industrieländern gibt es 19 Millionen Menschen, die unterernährt sind.

Armes Weltdorf

In ihrer neuesten Großgrafik beschäftigt sich „Die Zeit“ (5.11.2009) mit dem „Weltdorf“ und bereitet einige statistische Basisdaten zur Globalisierung auf:

  • 18 von 100 Menschen auf diesem Planeten haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, 38 haben keine Sanitäranlagen (z.B. Toiletten). Umgerechnet in absolute Zahlen sind dies 1,2 Milliarden Menschen ohne sauberes Trinkwasser und 2,5 Milliarden ohne sanitäre Einrichtungen.
  • 1 Prozent der Menschheit ist obdachlos (bei derzeit 6,8 Milliarden Menschen bedeutet dies 68 Millionen Obdachlose), ebensoviele sind auf der Flucht.
  • 5 Prozent der Menschheit lebt in Ländern, in denen Krieg herrscht, 340 Millionen Menschen sind davon betroffen, 4 Prozent sind bei den jeweiligen Landesbehörden als arbeitslos gemeldet.
  • 46 von 100 Menschen auf der Erde leben von weniger als 2,50 Dollar am Tag – 3,1 Milliarden. 14 Prozent der Menschheit hungert (950 Millionen) und 13 Prozent sind Analphabeten (880 Millionen).
  • Die Hälfte der Menschheit lebt schon in Städten, 15 Prozent (1 Milliarde) in Slums.

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