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Strahlen-Rekord

Auf mittlerweile 10 Sievert steigen die in Fukushima an einzelnen Stellen gemessenen Strahlungswerte an. Diesen „Rekord“ berichtet die „telepolis„. Zuvor war ein einzelnen Stellen ein Wert von 4 Sievert gemessen worden. Ein Wert von 1,5 Sievert führt zu chronischer Strahlenkrankheit, japanische Atomarbeiter müssen jetzt mit einer Jahreshöchstgrenze von 250 Millisievert leben (früher: 100 Millisievert).

Japan auf Gegenkurs

„Wenn die ganze Welt gegen Atomkraft ist, können wir die Atomkraft nicht weiter als Säule unseres Wachstums betrachten. Nach dem Unfall von Fukushima haben sich viele Länder und Unternehmen entschieden, stärker auf die erneuerbaren Energien zu setzen. Wir müssen uns dem anpassen können.“

Der Chef des Toshiba-Konzerns, Norio Sasaki, bei einer Veranstaltung für Investoren. Toshiba ist unter anderem Lieferant der Reaktoranlagen von Fukushima und hat 2006 den US-amerikanischen Reaktorhersteller Westinghouse gekauft.

Im selben Artikel der „taz“ (25.7.2011) wird auch berichtet, dass der heutige japanische Premierminisiter Naoto Kan auf seinem persönlichen Blog an ein Positionspapier von 1980 erinnerte, indem der Politiker die Atomkraft kritisiert und sich für Wind- und Solarenergie als Alternativen ausgesprochen hat.

Déja vu

Wenn es etwas gibt, was aus dem Atomunfall in Fukushima zu lernen ist, dann dies: Auch beim dritten großen Atomunfall nach der teilweisen Kernschmelze im Atomkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg (1979, USA) und der Katastrophe von Tschernobyl (1986, damals UdSSR heute Ukraine) versagen Behörden und Medien praktisch und bei der Informationsgebung fast auf der ganzen Linie. Zu wenig, zu spät, untertreibend und verharmlosend kommen die offiziellen Informationen an die Öffentlichkeit, während bei der praktischen Hilfe vor Ort und weiter Weg viel Versuch und Irrtum herrscht und wenig vorbereitete Organisation von Katastrophenhilfe. Alles schon mal dagewesen, alles schon mal gesehen und gehört. Selbst die Mediziner der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lassen sich aufgrund 50 Jahre alter Verträge von der Atom-Propaganda-Maschine Internationale Atomenergie Organisation IAEO ausbremsen, was dann vor Ort die Verstrahlten aushalten müssen.

Volkseigene Betriebe

Es ist schon ein Treppenwitz der Geschichte, dass in dem Moment, da sich herausstellt, dass die Tokio Electrical Power Company (Tepco) die Folgekosten des Atomunfalls von Fukushima nicht bezahlen kann (wie solche Unfälle in jeder Hinsicht unbezahlbar sind), diese Firma quasi verstaatlicht werden soll. Damit bestätigt sich wieder einmal das Ende der Marktwirtschaft just in dem Moment, in dem es keine Gewinne mehr an die privaten Investoren zu verteilen gilt, sondern die aus einer Politik der kurzfristigen Renditeorientierung herrührenden Riesen-Verluste sozialisiert werden müssen.

Und auch in Deutschland, wo ausgerechnet der scheidende baden-württembergische CDU-Ministerpräsident Mappus den teuren Rückkauf von Aktien des Atomkonzerns EnBW (zum Nutzen des französischen Atomkonzerns Electricité de France, EDF) einfädelte, der diesen Eckpfeiler der Atomwirtschaft in einen quasi volkseigenen Betrieb verwandelte, wirken sich die Folgen der Atomkatastrophe auch finanziell katastrophal aus. Die neue Landesregierung sitzt jetzt auf untilgbaren Atomschulden und steht dazu vor der Aufgabe, aus einem dezidierten Atomkonzern einen modernen Energieversorger zu machen (ohne dabei diesen gegenüber kleineren Konkurrenten aus Stadtwerken und Ökostromfirmen zu bevorzugen). Auch hier bezahlt die Gesellschaft die Kosten früherer Gewinne privater Investoren.