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Psychopathen erfolgreicher als Börsen-Zocker

Thomas Noll, Leiter des größten Schweizer Gefängnisses und Pascal Scherrer haben das Verhalten von 27 Händlern, die bei Banken oder Hedge-Fonds arbeiten, mit dem von 24 Psychopathen in deutschen Hochsicherheitskliniken sowie von 24 „normalen“ Menschen in einer Kontrollgruppe verglichen, berichtet die „Neue Züricher Zeitung“.

Die Wissenschaftler wollten mit ihrer Studie auf Basis des Gefangenendilemmas (Kooperation setzt Vertrauen voraus) die Hypothese prüfen, dass Börsenhändler mit Psychopathen vergleichbar sind, also ähnlich rücksichtslos und unkooperativ handeln wie diese, und dass sie erfolgreicher wären, schließlich sitzen sie ja nicht in Gefängnissen, sondern an den Hebeln der Finanzmärkte.

Das Ergebnis der Studie hat gezeigt, dass die Wissenschaftler die Börsenhändler zu positiv eingeschätzt hatten. Die waren deutlich unkooperativer als Psychopathen – von 40 Entscheidungen waren 12 unkooperativ, bei den Psychopathen 4,4 und bei den „Normalen“ gerade einmal 0,2.

Überraschender war aber, dass weder diese Einstellung der Börsenhändler noch deren Erfahrung an den Märkten sie davor feite, in dem Spiel schlechter als die Psychopathen abzuschneiden. Relativ lagen ihre Gewinne zwar über denen ihrer Mitspieler, der Gesamtgewinn lag jedoch leicht unter dem der Psychopathen. Die Börsenhändler agieren also nach der Devise, lieber weniger zu gewinnen, aber dafür mehr als der Mitspieler, anstatt auf einen gemeinsamen Vorteil zu setzen. Sie handeln damit nicht einmal vernünftig als homo oeconomicus, indem sie den höchsten Gewinn anstreben, sondern scheinen derart Konkurrenz besessen zu sein, dass sie lieber dem Mitspieler Schaden zuzufügen.

Quelle: telepolis, 26.9.2011

Kein Crash aber Index sinkt

Als metaphysische Mysterien beschreibt die „telepolis“ (14.9.2011), dass bislang der große Aktiencrash ausblieb. Billiges Geld der Zentralbanken, der Renditezwang der institutionellen Anleger, die hohen Einstiegspreise bei anderen „Finanzprodukten“ (Immobilien, Gold u.ä.) und die Möglichkeit, mit minimalen Differenzen Geld zu verdienen und dies mit Leerverkäufen auch noch bei fallenden Kursen werden in dem Artikel als Gründe genannt. Der ganz große Crash bleibt aus, obwohl im Börsen-Casino nur noch Altlasten gehandelt oder umverpackt werden. Aber am Ende sinken die Kurse und Börsen-Indizes wie im Beispiel Japan, wo vor 20 Jahren der Nikkei-Index der Tokioter Börse mit Höchsständen von 40.000 Punkten glänzte, die er seither nie mehr erreichte (aktuell dümpelt dieser Index deutlich unter 10.000 Punkten).

Notwehr gegen Leerverkäufe

An der griechischen Börse sind in den nächsten zwei Monaten die sogenannten Leerverkäufe verboten. Bei Leerverkäufen wird auf fallende Kurse eines Wertpapiers gewettet. Leerverkäufe verschärfen Finanzkrisen. Auch in Deutschland waren Leerverkäufe im Gefolge der Bankenkrise einige Monate lang verboten. Da sie jedoch den Spekulanten hohe Wettgewinne bieten, sind sie bislang von der Politik nicht gänzlich verboten worden.

Quelle: taz 29.4.2010

Tote Anleger

Der ganze Zynismus der handelnden Personen der Finanzbranche zeigt sich in den E-Mails des derzeit 31-jährigen Börsenhändlers Fabrice Tourre, genannt „Fabulous Fab“ (fabelhafter Fabrice). Er verkaufte Kunden den Fonds „Abacus 2007 AC-1“ seines Arbeitgebers Goldman Sachs und wettete gleichzeitig auf fallende Kurse dieses Fonds (shortselling). In einer E-Mail kommentierte der Zyniker, dass seinen „armen, kleinen Kreditnehmer kaum mehr zahlungsfähig, wohl nicht alt werden“.

Der Finanzhai wusste nämlich schon 2007, dass die Immobilienkredit-Blase platzen würde.

Quelle: Frankfurter Rundschau 27.4.2010

Börsen-Schulden

Groß gefeiert wurde diese Woche der Börsengang des Kabelnetzbetreibers Kabel Deutschland (KDG). Im Börsen-Casino war dies der Auftakt für neue Spekulations-Höhenflüge.

Doch ein genauerer Blick zeigt, dass von dem Börsengang, bei dem 700 Millionen Euro eingesammelt wurden vor allem zwei profitieren: Der US-Finanzinvestor Providence Equity Partners, der 90 Prozent von KDG besitzt (und davon ein Drittel an der Börse verkaufte) und die Banken, die den Deal einfädelten.

Das frische Anlegergeld wird nicht dazu verwendet, die 3 Milliarden Euro Schulden abzutragen, die der Finanzinvestor der Firma aufgebürdet hat.

Da diese Fakten aber beim Börsengang bekannt waren und sogar in den Börsensendungen des Fernsehens berichtet wurden, braucht auch niemand Mitleid mit den Aktionären haben, die dem US-Finanzinvestor ihr Geld in den Rachen werfen – und wegen der Probleme, die Kabel Deutschland als Firma hat, wohl nicht wiedersehen werden.

Verrückte Wetten

In der „Frankfurter Rundschau“ (16.10.2009) warnt Robert von Heusinger, dass die derzeitige Börsen-Rallye, die sich aus vorgeblich guten Wirtschaftsnachrichten speist, keine reale Grundlage hat:

Können wir die Krise endgültig abhaken? Der Blick auf die Finanzmärkte legt dies nahe: Die Party dort scheint immer großartiger zu werden… Die Konjunkturexperten erklären die Rezession für beendet… Ist alles gut?

Nein. Es ist überhaupt nichts gut. Die schwerkranke Weltwirtschaft wird mühsam mit Spritzen am Leben gehalten. Dass die Aktienmärkte derart ausgelassen feiern lässt nur einen Schluss zu: Die spinnen, die Börsianer!…

Schwere Zeiten voraus! Aktienkurse sind nichts anderes als eine Wette auf die mittelfristige Gewinnentwicklung der Firmen. Die Gewinne einer Volkswirtschaft steigen nur dann, wenn die Wirtschaft wächst. Das tut sie zwar zur Zeit, aber nur, weil die Notenbanken und Regierungen mit Nullzinsen und massiven Konjunkturprogrammen gegen den Absturz ansteuern…

Die … Frage lautet: Wo kommt nachhaltiges Wachstum her? Das ist nicht in Sicht!… Der US-Konsument, der die vergangenen zehn Jahre mit seinen Verschuldungsexzessen für das Gros des Wachstums verantwortlich war, fällt als Lokomotive aus…

Die extreme Unterauslastung der Kapazitäten und die weltweit steigende Arbeitslosigkeit bleibt nicht ohne Auswirkung auf die Lohnentwicklung… Dann aber herrscht Deflationsalarm. Wenn die Löhne fallen, purzeln auch die Inflationsraten, sprich die Firmen senken die Preise für ihre Produkte… Bislang ist die hässliche Deflation in jeder großen Finanzkrise aufgetreten…

Man muss gar nicht schwarzmalen, um den Hype an der Börse für verrückt zu erklären. Man muss nur lesen, was die Volkswirte der US-Notenbank schreiben, oder die des Internationalen Währungsfonds oder der Europäischen Zentralbank. Sie alle wissen besser als jeder Anleger, wie es um die Banken wirklich steht. Und sie alle warnen, dass … die Volkswirtschaften noch nicht wieder richtig Tritt gefasst haben…

Die Hausse am Aktienmarkt basiert auf einer gedopten Wirtschaft. Zum Einsteigen ist es viel zu spät. Aussteigen geht noch.

Weiter zocken mit VW

Innerhalb weniger Tage stieg der Preis für VW-Aktien um mehr als 20 Prozent (von 210 auf 255 Euro). Aktienhändler vermuten, dass Hedgefonds auf fallende Kurse der Aktie (fehl-)spekuliert hätten und jetzt die Aktien teuer zurückkaufen müssen. Das scheint aber nicht der einzige Grund zu sein: Die Kursturbulenzen könnten auch auf die Porsche-Spekulationen mit VW-Aktien zurückzuführen sein – spätestens am 19. Juni muss Porsche Geld für seine Optionsscheine auftreiben – Geld für Aktien, die die Banken halten mit denen Porsche die Optionsgeschäfte machte. Gerüchten zufolge hat Porsche einen Geldgeber gefunden, der nun VW-Aktienkäufe finanziert, damit die Verluste aus den Optionsgeschäften nicht zu hoch werden.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 4.6.2009

Ein paar Milliarden weniger

Auf „nur“ 89,8 Milliarden Euro gingen die Umsätze im elektronischen Handelssystem der Frankfurter Börse (Xetra) im Mai zurück. Das ist – wie schon in den Vormonaten – mehr als ein Drittel weniger als vor einem Jahr.

Der Parketthandel machte 6,6 Milliarden Umsatz. In Frankfurt wird damit 97 Prozent des Handels mit deutschen Aktien abgewickelt. Und bei den in Deutschland getätigten Umsätzen mit ausländischen Aktien hat der Börsenplatz ein Volumen von 91 Prozent (was automatisch nach der „Bedeutung“ der übrigen Börsen fragen lässt).

An allen deutschen Börsen wurden im Mai für 99,9 Milliarden Euro Aktien, Optionsscheine, Zertifikate und Exchange Traded Funds (=börsennotierte Fonds) ge- und verkauft, weitere 12 Milliarden Euro wurden mit Rentengeschäften getätigt.

An den Terminbörsen Eurex und ISE wurden im Mai 237 Millionen „Kontrakte“ gehandelt, 32 Millionen weniger als im Vorjahr.

Man stelle sich bei diesem Volumen mal vor, was eine Börsenumsatzsteuer dem Staat brächte – 1 Prozent = 898 Millionen Euro…

Quelle der Zahlen: Süddeutsche Zeitung, Beilage „Derivate & Zertifikate“  (4.6.2009)

Lebensmittelspekulation

Die Börsen boomen: Ab Juli kann an der Frankfurter Warenterminbörse Eurex mit „Kontrakten“ auf Schweine, Ferkel und Kartoffeln spekuliert werden. Ab 2010 könnte dann eventuell Weizen dazukommen, der jetzt schon an der Europäischen Warenterminbörse in Hannover gehandelt wird. Und vielleicht sogar Milchspekulationen?

Für die Frankfurter Börse ist das o.k. Schließlich ist nach der gescheiterten Fusion mit London „Wachstum“ im Zockergeschäft nur durch die Aufnahme neuer Produkte möglich. Dass bei den künftigen Spekulationsblasen mit Lebensmitteln Erzeuger und Verbraucher auf der Strecke bleiben – die einen, weil sie nichts mehr verdienen können, die anderen, weil sie billigen Schrott angedreht bekommen – ist halt erwünschter Nebeneffekt des Zockerkapitalismus.

Quelle: Frankfurter Rundschau 29.5.2009