Schlagwort-Archive: BIP

Wachstum vorbei

Ach was waren Kanzlerin Merkel und die anderen Politiker stolz auf das „XL-Wachstum“, das Deutschland im vorigen Jahr hinlegte. Alles war in rosa gemalt beim Exportweltmeister Deutschland. Hochnäsig sah man auf „die Griechen“ herab, deren Wachstum aus höheren Löhnen und der Verteilung staatlicher Schulden an die Anhänger der jeweiligen Regierungsparteien rührte. Man konnte vor Kraft und Leistung gar nicht laufen und verschloss die Augen vor sinkenden Reallöhnen und der wachsenden Kluft zwischen Arbeits- und Kapitaleinkommen.

Damit ist es seit dem Sommer vorbei. Auch die deutsche Volkswirtschaft wächst nur noch langsam bzw. stagniert womöglich schon. Die Statistiken jedenfalls sind eindeutig: Das „Wirtschaftswunder“ nach der Finanzkrise von 2008 ist schon wieder vorbei.

Quelle: telepolis, 16.8.2011

Wachstum bremsen

In einem Leitartikel zum Wachstumsbeschleunigungsgesetz fordert die „taz“ (5.12.2009) „Bremsen statt beschleunigen“. Hier einige Zitate aus diesem Kommentar:

Der Bundestag hat … das Wachstumsbeschleunigungsgesetz verabschiedet. An diesem Dokument schwarz-gelber Klientelpolitik wurde … vieles kritisiert. Doch eine grundsätzliche Frage blieb … ungestellt: Warum müssen wir überhaupt das Wachstum beschleunigen?

Nur eine … wachsende Wirtschaft, heißt es, sichere Reichtum, Arbeitsplätze… Das vorgebliche Ziel: … Wohlstand für alle.

Doch das ist mit starrem Blick auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nicht zu erreichen. Denn wir zahlen für jeden Prozentpunkt Wachstum: Mit Lebenszeit, … mit gesundheitsschädlichem Stress, mit Rohstoffen und Naturvermögen. Der … Klimawandel hat zwar dazu geführt, dass die Erdatmosphäre nicht mehr kostenlos als Deponie für CO2 genutzt werden kann. Doch auch hier … das marktwirtschaftliche Ziel der Steigerung von Renditen… Auch Windparks und Sonnenkraftwerke verbrauchen Rohstoffe und Landschaft… es ist wenig gewonnen, wenn der Wachstumsfetisch … ein grünes Mäntelchen bekommt…

Statt Beschleunigungsgesetzen brauchen wir steuer- und ordnungspolitische Bremsklötze für die Wirtschaft. Nicht nur um Natur und Klima zu schützen, sondern auch um Freiräume zu schaffen. Denn die sind für ein glückliches Leben unabdingbar.

Schulden geordnet

Japan hatte 2006 knapp das doppelte seiner Jahreswirtschaftsleistung als Staatsschulden – wegen der Wirtschaftskrise wird dieser Betrag bis 2014 voraussichtlich auf das zweieinhalbfache des Bruttoinlandsprodukts (BIP) wachsen. Die USA starteten 2006 mit einem Schuldenberg von knapp zwei Dritteln ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung und wird 2014 mehr als ein BIP Staatsschulden haben. Dagegen kommt Deutschland, das mit einer ähnlichen Ausgangssituation wie die USA in die Wirtschaftskrise ging mit gut 90% eines Jahres-BIP an Staatsschulden gut weg – offenbar wird hierzulande deutlich weniger Geld zur Bewältigung der Krise ausgegeben wie in den USA. Ähndlich die Situation in Frankreich. Dagegen klotzen auch die Engländer für ihre Banken und erhöhen den Staatsschuldenanteil von gut 40 auf über 85 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung. In den Schwellenländern China und Russland sind die Staatsschulden dagegen bedeutungslos (China 1/6 der Wirtschaftsleistung, Russland unter 10 Prozent) und werden bis 2014 sogar noch einmal deutlich sinken.

Quelle: Frankfurter Rundschau 24.6.2009