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Hurra, systemrelevant !

Angeblich sind 28 Banken in 17 Ländern derzeit so groß, dass sie das ganze Welt-Finanzsystem ins Wanken bringen können. Der sogenannte Baseler Ausschuss und der sogenannte Finanzstabilitätsrat (letzterer unter Führung des designierten Chefs der europäischen Zentralbank Mario Draghi) haben dies in einem Diskussionspapier als Zahl genannt.

Spekuliert wird nun, welche Geldhäuser „to big to fail“ sind und sich deshalb freuen können, dass ihren Aktionären das Risiko abgenommen wird (denn wenn eine „systemrelevante“ Bank zusammenbricht, wird in jedem Fall der Staat die Kosten tragen – deshalb sind solche Riesen-Banken bei „Investoren“ „beliebt“). In Deutschland sollen es die Deutsche Bank und die Commerzbank sein.

Hintergrund ist, dass „systemrelevante“ Banken möglicherweise im November von den Regierungschefs der G20-Staaten auferlegt bekommen, einen Aufschlag auf die im Basel III Abkommen genannte Eigenkapitalquote von 7 Prozent zu leisten – im Gespräch sind 2,5 Prozent.

Quelle: taz (21.7.2011)

76 Milliarden Franken

Auf rund 76 Milliarden Franken wird der zusätzliche Kapitalbedarf geschätzt, den die beiden Großbanken UBS und Credit Suisse aufgrund der in der Schweiz beschlossenen schärferen Eigenkapitalregeln haben. Die beiden Banken wollen sich das Geld über sogenannte Wandelanleihen besorgen, die eigentlich Femdkapital sind, im Risikofall aber „automatisch“ Eigenkapital werden.
Der Grund für die scharfen Schweizer Regeln: Die beiden Banken haben eine Bilanzsumme, die das sechsfache des Schweizer Volkseinkommens beträgt. Deshalb müssen die beiden Institute nun 10 Prozent Eigenkaptial der höchsten Qualitätsstufe vorhalten – rund 40 Prozent mehr als nach dem sogenannten Basel-III-Standard gefordert sind.
Quelle: Handelsblatt: (5.10.2010)

Reförmchen im Casino

Alle Jubeln über „Basel III“. Die Banken sollen ihre Eigenkapitalquote erhöhen, um künftige Finanzmarktkrisen ohne Staatsgelder überstehen zu können. Doch wie sieht es wirklich aus?
1988 wurde „Basel I“ verabschiedet, das 1992 in Kraft trat und die Banken verpflichtete zur Risikobegrenzung eine Eigenkapitalquote von 8 Prozent vorzuhalten. 2004 einigte man sich dann auf „Basel II“ und senkte die Eigenkapitalquote – um mehr Kredit-Spielgeld für die entfesselten Finanzmärkte zu haben. Angeblich am „Risiko“ orientierte sich die Eigenkapital-Forderung, die sich nunmehr zwischen 1,5 und 12 Prozent der ausgegebenen Kredite bewegen durfte. Um mit 1,5 Prozent davonzukommen bündelten die Banken risikoreiche Schrottpapiere zu Derivaten und versahen diese mit Top-Bewertungen der Rating-Agenturen.
Und jezt also Basel III: Bis 2015 soll die Kernkapitalquote der Banken moderat von 4 auf 6 Prozent steigen. Und erst bis 2019 müssen die Institute einen „Krisenkapitalpuffer“ aufbauen, der die Eigenkapitalquote auf 7 Prozent erhöhen wird.