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Länger arbeiten, weniger verdienen

Die Empfänger von Arbeitslosengeld II sind besonders häufig gezwungen, in sogenannten „Minijobs“ mit einem Monatsverdienst von weniger als 400 Euro zu arbeiten. Dabei verdienen die Hartz-IV-Geschädigten in diesen Arbeitsverhältnissen deutlich weniger – 2009 durchschnittlich 6,08 Euro pro Stunde – als geringfügig Beschäftigte, die kein Arbeitslosengeld II beziehen (z.B. Studenten, Rentner, Hausfrauen) – diese verdienten 2009 im Durchschnitt 8,16 Euro im Minijob.

Außerdem arbeiten die Hartz-IV-Geschädigten durchschnittlich 10 Stunden pro Woche im 400-Euro-Job. Wer kein Arbeitslosengeld bezieht, verbringt in diesen Arbeitsverhältnissen nur 9 Stunden pro Woche. Durchschnittlich kamen Hartz-IV-Bezieher dabei auf einen Monatsverdienst von 165 Euro, während die Vergleichsgruppe 2009 rund 300 Euro monatlich verdiente.

Quelle: telepolis, 20.1.2012

10 Euro mindestens

Ausgerechnet der Discounter-Konzern Lidl fordert nun einen Mindest-Stundenlohn von 10 Euro. In einer Unternehmens-Mitteilung heißt es:

„Lidl unterstützt jede politische Initiative, die die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes für den Lebensmitteleinzelhandel und jede andere Branche zum Ziel hat. Nur mit einem verbindlichen Mindestlohn lässt sich der in verschiedenen Branchen zu beobachtende Missbrauch von Lohndumping wirksam unterbinden.“

Laut Lidl verdient jeder Konzernmitarbeiter in Deutschland (rund 50.000) mindestens 10 Euro pro Stunde, die Hälfte der Mitarbeiter sogar mehr als 13 Euro pro Stunde.

Der Branchen-Arbeitgeberverband HDE verhandelt derzeit mit ver.di über einen branchenweiten Mindestlohn von maximal 8,80 Euro, der aber derzeit an den gesetzlichen Vorgaben für die Allgemeinverbindlichkeitserklärung scheitert.

Lidl begründet seinen Vorstoß mit dem schlechten Image des Einzelhandels, der in Deutschland 2,7 Millionen Menschen beschäftigt, knapp 1 Million davon als geringfügig Beschäftigte.

Der Kommentator der taz macht jedoch auf einige Widersprüche des Lidl-Vorstoßes an Bundestagsfraktionen und Presse aufmerksam:

„…verschweigt Lidl sein ökonomisches Interesse. Die nach … Aldi mächtigste Lebensmittelkette will … jene Konkurrenten aus dem Markt drängen, die … schlechter bezahlen. Es geht also eher um … Ausbau von Marktmacht denn um soziale Wohltaten.

Nebenbei bemerkt: Ob Lidl seinen Mitarbeitern tatsächlich … zehn Euro zahlt … kann man glauben oder nicht. Überprüfen lässt es sich nicht, denn Intransparenz gehört zum System Lidl. Die Kette ist als Stiftung organisiert, sie muss deshalb keine Geschäftszahlen veröffentlichen. Und sie bekämpft Betriebsratsgründungen, um Gewerkschaften Einblick zu verwehren…“

Quelle: taz 22.12.2010

Jeder 4. ohne Normaljob

24,8 Prozent aller Arbeitnehmer sind laut statistischem Bundesamt „atypisch“ beschäftigt – also Leiharbeitet, Teilzeitbeschäftigte mit weniger als 20 Wochenstunden oder in einer befristeten Anstellung. Diese 7,6 Millionen Arbeitnehmer im Jahr 2009 sind deutlich mehr als die 5,3 Millionen im Jahr 1998 (16 Prozent). Fast jeder vierte Arbeitnehmer hat damit kein geregeltes Normalarbeitsverhältnis mehr.

Normalarbeitsverhältnisse werden ohnehin weniger, zusätzliche Arbeitsplätze – meist schlecht bezahlt – entstehen nur noch in Leiharbeit, 400-Euro-Jobs und Befristungen. Seit 1998 sank die Zahl der Normalarbeitsplätze um 700.000, während die „atypischen“ Jobs um 2,4 Millionen anwuchsen.